Glyphosate Facts

Transparency on safety aspects and use of glyphosate-containing herbicides in Europe

Menu
Search

Jüngster Beschluss Österreichs zur Vorernte- Behandlung mit Glyphosat

(© angieconscious / pixelio.de)

Mit Bezugnahme auf das nationale Pflanzenschutzgesetz hat das österreichische Parlament am 5. Juli 2013 beschlossen, glyphosat-basierte Vorerntebehandlungen bei allen Kulturpflanzen für die Futter- und Lebensmittelproduktion zu verbieten. Die Entscheidung sei nach dem Grundsatz des „Vorsorgeprinzips“ getroffen worden. 2015, wenn die Zulassung von Glyphosat auf EU Ebene erneuert wird, wird sie erneut geprüft werden.

 

Vorernte-Behandlung – ein Anwendungsgebiet, das im Rahmen der gemeinsamen EU Reregistrierung von Glyphosat erneut bewertet wird

In dem gemeinsamen Dossier, das  die Glyphosat Task Force (GTF), bestehend aus verschiedenen Pflanzenschutzmittel-Unternehmen für den Wiederzulassungsprozess von Glyphosat in der EU eingereicht hat, wurde neben den typischen Anwendungen von Glyphosat auch die Vorernte-Behandlung berücksichtigt (zur Unkrautkontrolle und als Erntehilfe).

Eine umfassende Risikobewertung, die zusammen mit dem Dossier eingereicht wurde, ergab, dass Vorernte-Anwendungen weder für Konsumenten (Ernährung), Anwender oder die Umwelt ein unzumutbares Risiko darstellen.

Einsatz von Glyphosat als Erntehilfe

Der Einsatz von Glyphosat vor der Ernte erleichtert den Ernteprozess, indem er Unkräuter auf dem Feld bekämpft und die Reifung des Korns beschleunigt. Die Vorernte-Anwendung ist ein effizientes Hilfsmittel zur Abreifebeschleunigung und unterstützt den Landwirt durch wirksames Erntemanagement.

Hoher Unkrautdruck und nasse Sommer führen zu ungleichmäßig abreifenden Beständen, die erhebliche Mengen „grünen Pflanzenmaterials“, wie z.B. Unkräuter, Stängel und Sekundärtriebe (späte Pflanzen), sowie grüne unreife Samen enthalten können. Das erschwert die Ernte, senkt die Dreschleistung der Maschinen und erhöht somit den Kraftstoffverbrauch und die Arbeitskosten. Hohe Feuchtigkeit im Korn ist auch ein Problem für die Lagerung und kann zu Kondenswasser und Schimmel führen. In einigen Fällen muss das Getreide nachträglich getrocknet werden, was zusätzliche Kosten verursacht.

Rückstände durch den Gebrauch von Glyphosat zur Vorerntebehandlung

Für Glyphosatrückstände, die bei einer Vorernte-Behandlungen auftreten können, werden für alle relevanten Kulturen (z.B.  Getreidearten, Hülsenfrüchte und Ölsaaten) sogenannte Rückstandshöchstghalte (engl.: Maximum Residue Level oder MRLs) festgelegt. Die MRLs richten sich nach der empfohlenen Höchstdosis zur Unkrautbekämpfung.

MRLs dürfen jedoch nicht mit toxikologischen Grenzwerten verwechselt werden. Die Überschreitung eines MRLs belegt lediglich, dass der Anwender den Empfehlungen nicht gefolgt ist und ist kein Indikator für ein gesundheitliches Risiko für Konsumenten oder Tierbestände.

Darüber hinaus werden im Rahmen der Zulassung MRL-Grenzwerte nur dann eingeführt, wenn im Ergebnis beim Verzehr dieser Produkte keine akuten oder Langzeitrisiken für Verbraucher verbunden sind. Der Grenzwert für Lebensmittel enthält zudem noch  einen Sicherheitsfaktor von 100. Selbst wenn alle Möglichkeiten berücksichtigt werden, bei denen Verbrauchern im Rahmen ihrer Ernährung mit der jeweils höchsten, anzunehmenden Glyphosatrückstandsmenge konfrontiert wären, wird dieser Grenzwert bei weitem nicht erreicht.

Tatsache ist, dass im Rahmen der behördlichen Lebensmittelkontrollen nur in einem Bruchteil der möglicherweise mit Glyphosat behandelten Ernteproben überhaupt messbare Glyphosatrückstände gefunden werden. So gibt der letzte EFSA Bericht zu Pflanzenschutzmittelrückständen in Nahrungsmitteln (2010) auch Auskunft über Glyphosatrückstände mit besonderem Augenmerk auf  Hafer und Roggen. Bei beiden Getreidearten können Vorernte-Behandlung durchgeführt werden. Beim Hafer wurden bei 23 Prozent der Proben Rückstände gefunden, aber in keinem Fall eine Überschreitung des Grenzwertes. Alle Messwerte waren kleiner als fünf Prozent des erlaubten MRLs (<5% MRL). Bei Roggen wurden nur in drei Prozent aller Proben Rückstände gefunden, allesamt lagen unterhalb von 5% des MRLs. Eine Zusammenführung dieser EU Daten mit den Daten nationaler Überwachungs-Programmen für Getreide zeigte ebenfalls keinerlei MRL Überschreitungen. Von 878 Proben waren in nur 75 überhaupt Rückstände messbar (8,5 Prozent).

Zwar sei die Entscheidung nach dem Grundsatz des „Vorsorgeprinzips“ getroffen worden, dennoch kritisiert die GTF das in Österreich erlassene Verbot. Es ist als unverhältnismäßig, wissenschaftlich undifferenziert zu betrachten und schränkt die Landwirtschaft weiter ein.

 

Last update: 20 January 2014